Schreib uns eine Nachricht.

Günter Hanke ist der erste GFN-Live-Learning-Teilnehmer mit einer Sehbehinderung. Uns hat er gezeigt, wie Inklusion in der Weiterbildung funktioniert, wie fehlende Zertifizierungen zum Handicap werden und dass trotz Blindheit vieles möglich ist. Seinen außergewöhnlichen Werdegang teilte er mit uns und der „ZukunftBeruf“ – wir haben seine motivierende Geschichte für Sie zusammengefasst.

Zu sehen ist Günter Hanke an seinem Computerarbeitsplatz im GFN-Trainingscenter Heidelberg
Inklusion im Online Live Training: Günter Hanke an seinem Computerarbeitsplatz im GFN-Trainingscenter Heidelberg

Was für viele das Ende aller beruflichen Ziele bedeutet, ist für Günter Hanke eine Behinderung, mit der er gelernt hat umzugehen – der Ilvesheimer ist seit dem 25. Lebensjahr blind. Dennoch hat sich Hanke von der Blindheit nie aufhalten lassen. Im Gegenteil: Als Produktmanager in einem internationalen Unternehmen, das sich auf Hilfsmittel für Blinde spezialisiert hat, programmierte Hanke Software, schulte Sales Manager und betreute sowohl den nationalen als auch den internationalen Support. Stets mit Talent, Engagement und Motivation – aber nie mit Sehkraft.

„Anfang 2018 bekamen wir einen neuen Chef, der hieß Insolvenzverwalter.“

2018 geriet Hankes berufliche Erfolgsgeschichte ins Stocken: Mit der Insolvenz seines Arbeitgebers trudelte die Kündigung ein. 60 Bewerbungen schrieb der gebürtige Bonner darauf hin – ohne Erfolg. „Viele haben aus Mangel an Erfahrung Angst, das einfach mal auszuprobieren“, erklärt Hanke verständnisvoll.

Ebenfalls zu sehen: Günter Hanke an seinem Computerarbeitsplatz
Fehlende Zertifizierungen können laut GFN-Live-Learning-Teilnehmer Günter Hanke zum Handicap bei der Jobsuche werden. Da hilft nur eine Weiterbildung inklusive Zertifizierung!

Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, verfolgt der 51-Jährige ab sofort eine andere Strategie: „Ich habe mir immer alles selbst beigebracht, mir fehlten die offiziellen Zertifikate.” Also begab sich Günter Hanke gemeinsam mit seinem Reha-Berater bei der Agentur für Arbeit in Heidelberg auf die Suche nach einem Bildungsträger, bei dem er seine Programmier-Fertigkeiten ausbauen und zertifizieren kann. Bei der GFN wurde er fündig.

Inklusion beim Feueralarm

Günter Hanke ist der erste blinde Online-Weiterbildung-Teilnehmer. Seinen Bildschirm kann er nicht sehen. Dafür hat er ein spezielles Gerät, das ihm den Bildschirmtext in Blindenpunktschrift wiedergibt. Brigitte Eckert, die damalige Heidelberger Standortleitung der GFN, hat sich anfangs noch Sorgen gemacht, wie der Schulungsalltag mit und für einen blinden Teilnehmenden aussehen kann.

Zitat:

Doch Bedenken, ob Trainer, Teilnehmende und Kursaufbau eine solche Inklusion ermöglichen, konnte Günter Hanke schnell zerstreuen. „Wir haben uns am Anfang viele Gedanken gemacht, wie das im Alltag funktionieren kann. Doch mittlerweile haben wir selbst einen Feueralarm bewältigt. Jeder rannte zu ihm, um ihm die Treppen hinunter zu helfen“, erklärt Eckert stolz.

Inklusion – Eine Bereicherung für alle

Mittlerweile hat der 51-Jährige bereits drei von vier Online-Marketing-Zertifizierungen erfolgreich bestanden – als Kursbester. „Ich muss schon vorher im Buch nachschauen, was am nächsten Tag präsentiert wird, damit ich bereits eine Vorstellung habe”, erklärt Hanke. Diese intensive Herangehensweise hilft nicht nur dem Blinden selbst – genaue Beschreibungen von Vorgängen und Formeln helfen auch den sehenden Teilnehmenden. „Wenn man etwas detailliert beschreiben möchte, muss man es sich vorher genau anschauen – so lehrt oft der Blinde die Sehenden das Sehen”, schmunzelt Hanke.

Günter Hanke im Gespräch mit Brigitte Eckert (GFN) und Friederike Blaser (ZukunftBeruf)
Inklusion bei der GFN: Günter Hanke im Gespräch mit Brigitte Eckert (GFN) und Friederike Blaser (ZukunftBeruf)

Mit der Weiterbildung im Online Marketing bereitet sich der 51-Jährige derzeit intensiv auf eine berufliche Zukunft in der Webseitenprogrammierung vor.  Dank der international vergleichbaren Webmasters-Europe-Zertifizierungen kann Hanke ab sofort sein Fachwissen belegen und ist somit bestens für die Jobsuche gerüstet.

Wir sind uns sicher, dass Günter Hanke noch weit kommt und wünschen ihm auf all seinen Wegen viel Erfolg!

Das vollständige Interview können Sie in der aktuellen ZukunftBeruf sowie online unter zukunftberuf.de lesen. Viel Spaß!